Brüssel, 26. April 2011. Dr. Ingo Friedrich, Präsident des Europäischen Wirtschaftssenats (EWS), warnt vor einem deutschen Alleingang beim Atomausstieg. „Die gewollte Energiewende muss mit einem energiepolitischen Gesamtkonzept der EU verbunden werden, damit die Energieversorgung Deutschlands und Europas auch zukünftig verfügbar und bezahlbar bleibt“, so Dr. Friedrich. Bevor die Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden können, benötige die europäische Staatengemeinschaft einen energiepolitischen Masterplan für einen nachhaltigen, europäischen Energiemarkt. Dazu zählen laut Friedrich Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit, der zügige weitere Ausbau Erneuerbarer Energien und der Leitungsnetze, eine erhebliche Effizienzsteigerung, sowie der Abbau nationaler Barrieren im europäischen Strommarkt und mehr Transparenz für die Preisbildung an den Großhandelsmärkten für Strom.
 
„Für eine energiewirtschaftliche Weiterentwicklung der EU und ihrer Mit¬gliedsstaaten sind verlässliche Energieströme und europäische Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke essentiell. Ich unterstütze deshalb die europaweit geplanten Stresstests für Kernkraftwerke“, betont Dr. Friedrich. In Europa gibt es derzeit 143 Atomanlagen, davon 17 in Deutschland. Nach dem furchtbaren Unglück in Japan haben sich die EU-Staaten erstmals auf einheitliche Sicher¬heits¬test für Atomkraftwerke geeinigt. Dabei soll es insbesondere um die Neubewertung aller Risiken der Anlagen bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hochwasser und auch bei einem Terrorangriff und Flugzeugabsturz gehen.
 
Der Energieimportbedarf der EU liegt aktuell bei 55 Prozent und wird sich in den nächsten 20 Jahren auf 75 Prozent erhöhen. „Um die Erzeugung, den Transport und den Verbrauch von Energie langfristig nachhaltiger gestalten zu können, bedarf es gesellschaftsübergreifender Investitionen. Die Energiewende geht mit Mehrkosten für alle einher, die nur durch eine konsistente ökologische Steuerreform getragen werden können“, erklärt Friedrich und macht deutlich, dass nur so langfristig eine kontinuierliche und sichere Energieversorgung innerhalb der EU, Ressourcenschonung fossiler Brennstoffe und die Reduzierung von Energieimportabhängigkeiten aus zumeist instabilen Regionen gewährleistet werden kann.