Präsident Dr. Friedrich appelliert an den „Gemeinsamen Geist von Europa“
„Scheitert der Euro, so scheitert Europa“, so die Bundeskanzlerin Merkel in ihrer jüngsten Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag.

Fraglos steht der Euro in seiner noch jungen Geschichte vor seiner größten Bewährungsprobe. Die drohende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands und die damit einhergehenden Hilfsmaßnahmen sprengen das Vorstellungsvermögen Vieler und hat europa- und weltweit eine kontroverse Diskussion darüber ausgelöst. Kontrovers deshalb, weil sich eine Reihe von Fragen aufdrängen, die in der nahen Zukunft nicht nur die Gerichte beschäftigen werden.

Verstößt das Hilfspaket gegen die „No Bail out Klausel“, durfte die Europäische Zentralbank sich an den Unterstützungsmaßnahmen beteiligen, warum haben die Sicherungssysteme in der Vergangenheit versagt oder hat das europäische Krisenmanagement angemessen und richtig reagiert und viele Fragen mehr.

Fest steht, es bestand und besteht noch Handlungsbedarf einerseits, um auf die Krise zu reagieren und was noch wichtiger ist, was lernen wir daraus und welche Konsequenzen ziehen wir für die Zukunft. Am 10. Juni ist der EWS Gast bei der Europäischen Zentralbank und hat Gelegenheit sich über den aktuellen Stand zu informieren. In der anschließenden Diskussion steht uns der deutsche Vertreter im Vorstand der EZB, Herr Prof. Dr. Jürgen Stark, für Fragen zur Verfügung.

Bei alledem was wir tun oder was getan werden muss, dürfen wir uns aber den Blick nicht verstellen für das große Ganze – das gemeinsame Haus Europa, den Grundstein, der dafür vor einem halben Jahrhundert gelegt worden ist. Europa nur durch die Währungsbrille zu betrachten, das wäre zu wenig. Der gemeinsame Geist von Europa brachte uns allen 50 Jahre Frieden, Erfolg und Wohlstand. Europa ist weltweit beispielgebend für ein gelungenes System von Kooperation und Integration.

Die gemeinsame Währung, der Euro, ist in diesem gemeinsamen Haus Europa eine wichtige Säule. Gemeinsam mit dem Binnenmarkt ist er das Fundament für Wachstum und Wohlstand. Die Sicherheit und die Stabilität zu gewährleisten erfordert ein Höchstmaß an Disziplin durch alle teilnehmenden Staaten, eine Akzeptenz der Eigenverantwortung und ein wirkungsvolles Maßnahmenbündel, als Frühwarnsystem, für den Fall, dass einzelne Mitgliedsstaaten dagegen verstoßen.

Es ist jetzt Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam das Erreichte zu sichern und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Und gemeinsam heißt, der Wettstreit um die beste Lösung darf nicht an persönlichen oder nationalen Egoismen scheitern.

25. Mai 2010